Zwischenseminar in Uganda

Ende April hatten wir unser Zwischenseminar in Jinja. Wir, das sind ausnahmsweise mal nicht nur Zoe, Benni, Michel und Ich, sondern alle ASC-Freiwilligen aus Ruanda, Uganda und Tansania. Das sind nämlich die drei Länder, in die der ASC in Ost-Afrika Freiwillige entsendet hat. Und so ging es für uns am 18. April mit dem Bus 9 Stunden in den Norden, bis wir Ugandas Hauptstadt Kampala erreichten. Genauso wie in Tansania hat der ASC auch in Uganda zwei Einsatzorte: Kampala und die östlich davon gelegene Stadt Jinja wo das Seminar stattfand. Da wir unbedingt auch noch ein paar Tage in Kampala verbringen wollten, reisten wir also zwei Tage vor Seminarbeginn an. Kampala hat mich sehr beeindruckt aber auch etwas überfordert. Nachdem ich den Großteil der letzten acht Monate in einer tansanischen Kleinstadt verbracht hatte, fühlte ich mich wie ein richtiges Landei. In der Millionenstadt bekommt man ALLES! Die internationalen Restaurants neben dem riesigen Luxuskaufhaus mit Adidas-Store und Fitnessstudio, sowie die schicken Cafés und Boutiquen ließen mich für einen kurzen Moment vergessen, dass ich mich in Ost-Afrika befand. Nachts besuchten wir  schicke Bars und Clubs mit Gästen aus aller Welt. Kurz um, das komplette Gegenteil von Bukoba. Aber dann lernte ich noch die andere Seite von Kampala kennen: der riesige Markt mit seinen engen Gassen, auf dem man von Obst und Gemüse, über Gartenwerkzeug bis zu Secondhand Klamotten alles kaufen kann. Die tausenden Bodas, die sich durch den für mich völlig unübersichtlichen Verkehr schlängeln und die super offenen und interessierten Menschen erinnerten mich dann doch wieder sehr an „zu Hause“. Trotz aller Gegensätze und Ähnlichkeiten, fielen mir aber vor allem zwei große Unterschiede zwischen Bukoba und Kampala auf:
Die Schere zwischen Arm und Reich ist in Kampala viel präsenter und extremer als in Bukoba. Während hier in Bukoba es zwar auch eine Unter-, Mittel- und Oberschicht gibt, so sieht man doch nur sehr selten solche Extreme wie in Kampala. Wegen des günstigen Klimas und natürlich auch wegen der geringeren Bevölkerungsdichte als in Kampala, sieht man in Bukoba kaum Menschen, die unterernährt sind. Zumindest Ugali (Maisbrei) und Bohnen kann sich hier fast jeder leisten. Mangelernährung ist damit natürlich trotzdem ein großes Problem, aber dazu werde ich ein andermal mehr schreiben.
Auf der anderen Seite sieht man in Bukoba aber auch kaum Superreiche, die in ihrer Mercedes-Limousine vor dem teuersten Kaufhaus Ugandas vorfahren und von oben bis unten mit Markenklamotten und Goldschmuck behängt sind. In Kampala kam das nicht selten vor.
Der andere, zugegeben für mich sehr angenehme Unterschied ist der, dass in Kampala fast jeder Englisch spricht. Egal ob Boda-Fahrer oder Schulkinder fast überall kamen wir mit Englisch ziemlich gut durch. Das liegt daran, dass Englisch offiziell Amtssprache ist und man für fast jeden Job gute Englischkenntnisse braucht. In Tansania ist Englisch zwar pro forma auch Amtssprache, aber in in der Realität wird nur die weitere Amtssprache, Kiswahili genutzt. In der Schule ist der Englischunterricht zudem viel weniger intensiv und besteht zumindest in der Grundschule (nur dort kann ich es etwas beurteilen) vor allem aus Auswendiglernen von englischen Sätzen. Außerdem gibt es in Kampala eine der größten Universitäten Ost- und Zentral-Afrikas, weshalb man auf sehr viele Studenten trifft.
Allem in allem hat mir Kampala aber vor allem wegen seiner unglaublichen Offenheit und Vielfältigkeit sehr gefallen und zählt bei den ostafrikanischen Großstädten, die ich bisher kenne auf jeden Fall zu meinen Favoriten.
Nach dem Zwischenstopp in der Hauptstadt ging es mit dem „Matatu“ (ugandisches Äquivalent zu dem tansanischen „Dalla-Dalla“, Kleinbusse mit 12 Sitzen, die aber nicht losfahren bis mindestens 25 Menschen samt Gepäck hineingequetscht sind) nach Jinja.
Dort hatten wir das fünftägige Zwischenseminar, wo wir uns viel über die letzten 8 Monate aber auch über die kommenden 3 und unsere Rückkehr nach Deutschland austauschten. Ich fand das Seminar sehr hilfreich und es war extrem interessant zu hören, welche Erfahrungen die anderen ASC-Freiwilligen in ihren Einsatzstellen gemacht haben. Für die letzten Monate war das Seminar noch einmal ein großer Motivationsschub und hat mir sehr viele Ideen für das Projekt, aber auch für meine Zukunft in Deutschland gebracht.

Bild könnte enthalten: 22 Personen, einschließlich Henning Delius, Lukas Köpp und Zoë Sültemeyer, Personen, die lachen, Personen, die stehen und im Freien

Ruanda, Uganda und Tansania-Freiwillige 2018 des ASCs

Ingo und Flo, unsere Hauptanschprechpartner beim ASC, die extra für das Seminar nach Uganda gekommen waren, ließen es sich natürlich nicht nehmen, außerdem noch alle ASC-Einsatzstellen in Ost-Afrika zu besuchen.
Anlässlich des Besuchs von Ingo und Flo organisieren wir Fußballspiele an der Mugeza Viziwi und im Tumaini Centre, wo wir als ASC-Mannschaft gegen die Schüler antraten.

32228686_1787854184604957_448181512374845440_o

Nach dem Fußballmatch gegen die Mugeza Viziwi

Letzte Woche nutzten wir das gute Wetter, um an der Mugeza Mseto Haare zu schneiden. An staatlichen Schulen müssen Schüler und Schülerinnen in Tansania die Haare kurz tragen. Während normal die Eltern für das Haareschneiden verantwortlich sind, gibt es an Boarding-Schools wie der Mseto regelmäßig Haarschneide-Tage an den allen Kindern die Haare abrasiert werden. Schüler, die lange Haare tragen, gelten als ungepflegt. Da die Haarschneidemaschine der Mugeza Mseto kaputt war und das Geld für Friseurbesuche fehlt, brachten wir Nachmittags unsere Haarschneidemaschine mit und bauten unseren kleinen Friseursalon auf.

Mai 2018 041

Ich schneide Lehrer Joseph die Haare

Letzte Woche begannen an unseren Schulen die Examen. Hier sind Klassenarbeiten und Tests nicht über die Quartale verteilt, sondern es gibt pro „Term“ eine Woche in der am Stück alle Examen geschrieben werden. Während dieser Zeit ist kein anderer Unterricht und deshalb haben wir Freiwilligen in dieser Zeit nicht viel zu tun. In zwei Wochen beginnen dann die großen Ferien. Da einen Monat schulfrei ist, schließt die Mugeza Mseto und alle Schüler fahren nach Hause oder zu Verwandten. Das Tumaini Centre bleibt geöffnet, da viele Kinder keine Familien haben, die sie über die Ferien aufnehmen.
Die nächsten Wochen wird es also etwas ruhiger in Bukoba. Die Zeit möchte ich nutzen, um mich ein bisschen um Uni-Bewerbungen zu kümmern und zukünftige Projekte an den Schulen zu planen.

 

 

Mai 2018 029

Zu Besuch im Village bei Jamalis Familie

20180522205209

Grüße aus dem Tumaini Centre!

Advertisements

Update aus Bukoba

Nach einer Ewigkeit, wieder ein Lebenszeichen von mir. Fast  vier Monate ist mein letzter Blogbeitrag jetzt schon her und je länger ich das Blogschreiben vor mich her schiebe, desto schwerer fällt es mir, wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Denn die Geschehnisse von vier Monaten in einem Blogbeitrag zusammen zu fassen, scheint mir unmöglich. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte bis vor einer Woche noch einen kaputten Computer und über das Handy meinen Blog zu verwalten, stellte sich neben meiner Schreib-Faulheit als eine zusätzliche Hürde heraus. Aber nachdem ein Drittel des neuen Jahres vorbei ist, nehme ich es mir an dieser Stelle mal heraus einen Vorsatz für die restlichen viereinhalb Monate zufassen: regelmäßig Blog schreiben.

Denn es sind tatsächlich nur noch genau 134 Tage bis es wieder zurück nach Deutschland geht. Nachdem wir die Halbzeit jetzt schon deutlich überschritten haben, schaue ich hilflos der Zeit dabei zu, wie sie an mir vorbei rast. Denn auch wenn es viele Dinge und vor allem Menschen gibt auf die ich mich in Deutschland freue, so kriege ich doch Bauchschmerzen bei dem Gedanken, ins Flugzeug zu steigen ohne zu wissen, wann und ob ich jemals wieder her kommen werde. Unsere Nachfreiwilligen stehen fest und auch wenn ich immer wusste, dass es so kommen wird, so ist es doch komisch zu wissen, dass die Kinder, mit denen ich für ein Jahr fast jeden Tag Zeit verbracht habe, in weniger als 5 Monaten einen anderen Namen rufen werden, wenn das Rote Motorrad in der Schule vorfährt. Trotzdem bin ich mir sicher, dass der ASC auch dieses Jahr wieder vier super Freiwillige ausgewählt hat, die die Möglichkeit bekommen werden die selben wunderbaren Erfahrungen zu machen, die auch mich für immer prägen werden. Dies macht es mir jedoch nicht gerade einfacher mich auf Deutschland vorzubereiten. Denn es wird höchste Zeit, dass ich mir Gedanken mache, wie es weiter geht wenn mein Freiwilligendienst vorbei ist. Aktuell spiele ich mit dem Gedanken, Psychologie zu studieren.

Soviel zu meiner aktuallen Gefühlslage. Aber ich möchte diesen Blogbeitrag auch nutzen, um noch von ein paar Ereignissen der letzten Monate zu berichten.

Von der Mugeza Mseto gibt es super Nachrichten: Endlich sind die neuen Schlafsäle und Waschhäuser der Schule fertig gestellt! Wie ich schon in vorigen Blogeinträgen berichtete, sind die bisherigen Schlafsäle und vor allem die hygienischen Vorrichtungen für die Boarding-School Kinder sehr herrunter gekommen. Toiletten, Waschräume und Betten sind dreckig und alles andere als behindertengerecht. Die fünf neuen Gebäude sind ein unglaublicher Fortschritt. Anders als in den alten Schlafsälen, wo ca. 20 Stockbetten in einem großen Raum ohne Strom, ohne Privatsphäre nebeneinander standen, gibt es in den neuen Häusern kleine voneinander abgetrennte Schlafräume mit jeweils zwei Stockbetten und kleinen Schränken wo die Kinder ihre persönlichen Gegenstände und Klamotten verstauen können. Außerdem gibt es Licht, Mosquitonetze und sogar Ventilatoren. In den Waschräumen gibt es fließend Wasser, sowie die dringend benötigten behindertengerechten Toiletten und Duschen. Aktueller Schlafsaal der MsetoAktueller Schlafsaal der MsetoNeuer Schlafsaal Mseto Weiterlesen

Gummistiefelzeit in Bukoba

„Schnee! Weihnachtsmarkt! Glühwein! Adventskalender!“… lese ich auf allen meinen sozialen Medien. Die Weihnachtseuphorie aus Deutschland kommt sogar hier in Bukoba an. Und während ich auf dem Rücksitz unseres Pikis durch das 25 Grad warme, sonnige Bukoba fahre, wird mir bewusst, dass ich dieses Jahr ein sehr ungewöhnliches Weihnachtsfest feiern werde. Und auch wenn ich wohl auf Schnee, Lebkuchen und vor allem auf meine Liebsten zu Hause verzichten werde, so komme ich doch nicht umhin, in die alljährliche Weihnachtsstimmung zu verfallen. Weihnachtslieder kann man nämlich auch in Tansania hören, Plätzchen schmecken fast genauso gut wie zu Hause und unser selbstgebastelter Adventskranz kann locker mit einem gekauften in Deutschland mithalten!

Und auch wenn man so nah am Äquator auf einen richtigen Winter verzichten muss, so tausche ich Handschuhe und Mütze dieses Jahr gegen Regenjacke und Gummistiefel. Denn seit ein paar Wochen hat die kleine Regenzeit begonnen. In Tansania gibt es eine große Regenzeit zwischen März und Mai und eine kleine Regenzeit zwischen November und Dezember. In dieser stecken wir gerade mitten drin.

Meist regnet es zwischen 10 und 14 Uhr morgens. Danach kann man aber eigentlich fast immer mit strahlendem Sonnenschein rechnen. Der starke Regen bringt für uns Freiwillige Vor- aber auch Nachteile mit sich. Denn bei Regen steht hier in Bukoba mehr oder weniger alles still. Kaum einer verlässt das Haus. Regen ist eine absolut gerechtfertigte Begründung um nicht zur Schule, Arbeit oder zu sonstigen Terminen zu erscheinen. Warum das so ist, lernten wir recht schnell. Sowohl Michel und Zoë, als auch Benni und ich machten schon den Fehler, vor Beginn des Regens noch schnell zur Arbeit fahren zu wollen. Wer aber schon mal bei strömenden Regen Motorrad gefahren ist weiß, was das für eine schlechte Idee ist. Und so kamen wir völlig durchnässt und verschlammt in der Schule an. Seit dem machen wir es wie die Tansanier und bleiben bei Regen zu Hause 😀 . Zwar können wir so häufig ausschlafen, aber manchmal verpassen wir auch den kompletten Unterricht. Ab und zu ist so ein freier Tag ganz angenehm, häufig aber auch echt nervig.

Vor allem, weil gerade bei unserem Computerunterricht an der Mugeza Mseto sich noch ein weiteres großes Problem aufgetan hat: Stromausfall. Während wir zu Hause meist verschont bleiben und höchstens mal für ein paar Stunden keinen Strom haben, hielt der letzte Stromausfall an der Mugeza Mseto fast zwei Wochen an und machte den Computerunterricht so schlicht unmöglich. Das ist zwar ärgerlich, aber nicht vermeidbar und so versuchen wir die verlorene Zeit an der Schule nachmittags zu kompensieren, indem wir noch früher an die Schulen fahren um Sport zu machen oder mit den Kindern zu spielen und zu quatschen.

Seit unserem einwöchigen Sprachkurs, den wir im November besuchten, klappt das Reden auf Kiswahili nämlich schon viel besser. Dies erleichtert die Arbeit sehr und macht sie auch um einiges interessanter. So stellte ich bei Gesprächen mit einigen Kids aus dem Tumaini Centre zum Beispiel fest, dass nur die wenigsten Kinder wirklich Voll- oder Halbwaisen sind. Fast die Hälfte der Kinder besucht während der am Montag beginnenden Ferien sogar ihre Familie. Problem ist also nicht immer, dass keine Eltern vorhanden sind, sondern dass diese aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind ihre Kinder zu versorgen. Einige Kinder rannten auch von zu Hause weg, da sie von ihren Eltern geschlagen wurden und für sie ein Leben auf der Straße besser schien, als zu Hause regelmäßiger Gewalt ausgesetzt zu sein.

Schlagen ist in Tansania immer noch eine weit verbreitete „pädagogische Maßnahme“ die wir nicht selten zu sehen bekommen. Sowohl zu Hause, als auch in der Schule werden Kinder nach Regelverstößen mit Schlägen bestraft. Unsere Bestürzung wenn wir sehen wie Kinder mit Stöcken geschlagen werden, können nur die wenigsten nachvollziehen. Schlagen ist immerhin tief in der Gesellschaft verankert. Fast jeder Erwachsener wurde als Kind selbst geschlagen und kennt es also selbst gar nicht anders. Trotzdem gilt für die Kinder des Tumaini Centres ein Schlag-Verbot. Denn wie uns Gunnar, einer der schwedischen Gründer des Tumaini Projektes erklärte, ist es das Ziel des Tumaini Projektes, den Kindern so viel Liebe und Zuneigung wie möglich zu geben. Denn wie sollen sonst aus den Kindern jemals gute Erwachsene werden, wenn sie ihre komplette Kindheit ausschließlich schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht haben? Für uns ist das kein Problem, denn wir haben die Tumaini-Kids eh schon in unser Herz geschlossen. Demnächst planen Benni und ich eine kleine Disko für die Kinder zu veranstalten, denn schon oft haben wir gesehen wie gerne und vor allem wie gut die Kinder im Tumaini-Centre tanzen.

Überhaupt sind wir jetzt langsam so gut angekommen, dass wir die ersten eigenen Veranstaltungen und Projekte an unseren Arbeitsstellen planen können.

An diese Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die mich und meine Projekte mit Spenden unterstützt haben. Ich habe mein Spendenziel von 2000€ dank vieler großzügiger Spenden sogar schon übertroffen. Das heißt, dass ich in Zukunft die Möglichkeit habe, meine eigenen Projekte zu verwirklichen und zu finanzieren.

Benjamin und ich haben neben der Disko schon einige andere Ideen, die wir hoffen in nächster Zeit umsetzen zu können.

Es werden trotzdem noch Weihnachts-Wichtel gesucht, die das Christkind/den Weihnachtsmann etwas auf die Sprünge helfen, damit dieses Jahr nicht schon wieder so viele Kinder in Bukoba vergessen werden. In Nicht-Weihnachtssprache: Über jede weitere Spende wäre ich sehr dankbar! Zum Spenden einfach hier klicken!

Kommende Woche gönnen wir uns unseren ersten Urlaub und werden nach Ruanda reisen. Danach könnt ihr euch auf weiter Updates freuen.

Kwa heri! Theresa

Fußballfeld Tumaini Centre-min

Fußball beim Tumaini Centre

IMG_2211

Fotoverückte Tumaini-Kids

P1000169

Tischtennis an Mugeza Mseto-min

Treffpunkt Mugeza Mseto: Tischtennisplatte

Mugeza Mseto-min

P1000225

Pikitour

Shikamoo Mwalimu! – Über Haare, Pikis und Unterrichten auf Kiswahili

Fast drei Monate ist es nun her, dass Benni, Zoë, Michel und Ich in den Flieger nach Tansania stiegen. Seit 74 Tagen lebe ich nun in einer anderen Zeitzone. Nicht nur, dass wir Deutschland seit der Zeitumstellung am Sonntag zwei Stunden voraus sind, auch das Zeitgefühl hier ist ganz anders. Ich merke, wie sich die Welt in Deutschland schneller dreht. Aus Sommer wurde Herbst, aus meinen ehemaligen Mitschülern wurden Studenten, und jetzt schon habe ich Angst, dass ich meine Heimat in Deutschland gar nicht mehr wiedererkennen werde, wenn ich zurück komme.

Hier in Tansania vergeht die Zeit wie im Flug. Gerade erst bin ich angekommen und bevor ich es überhaupt merkte ist schon fast ein Viertel der Zeit vergangen, die ich hier verbringen werde. Untätig sind wir hier natürlich auch nicht. Ganz im Gegenteil. Seit Benni und ich nun auch endlich anfangen durften an der Mugeza Mseto zu arbeiten, sind wir jeden Vormittag dort oder in der Tumaini-Klasse und fahren nach einer Mittagspause nachmittags zurück in eines unserer beiden Projekte, um dort mit den Kindern Zeit zu verbringen. Nichtsdestotrotz merkt man kaum, wie die Zeit vergeht. Das liegt vor Allem auch daran, dass man hier in Bukoba viel mehr in den Tag hinein lebt. Man steht morgens auf und denkt höchstens darüber nach, wie man den heutigen Tag verbringt. Keine langfristigen Pläne, kein Stress, einfach leben.

Was unser Leben hier noch einmal um ein vielfaches verbessert hat ist, dass wir jetzt endlich selber Motorrad fahren können. Die vier Mzungus auf ihren Motorrädern sorgen jetzt für noch mehr Aufsehen (vor allem weil Zoë und Ich vermutlich die einzigen Frauen in Bukoba sind, die selber Piki fahren). Der Verkehr hier ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber schnell lernten wir uns zwischen Schlaglöchern und den anderen Pikis und Autos durchzuschlängeln.

Wie schon oben erwähnt, haben Benni und ich jetzt außerdem angefangen, an der Mugeza Mseto zu arbeiten. Dreimal die Woche geben wir dort zwei Stunden Computerunterricht für die vierte, fünfte und sechste Klasse (selbstverständlich auf Kiswahili). Nachdem wir am ersten Tag mit der Information geschockt wurden, dass jede der drei Klassen zwischen 80 und 100 Schüler umfasst, einigten wir uns darauf, dass wir immer nur die Hälfte der Klasse unterrichten. Das klappt auch schon ganz gut und so nutzten Benni und ich die ersten Stunden, um zu sehen, was die Schüler schon können und wissen. Im Moment konzentrieren wir uns vor Allem auf die Basics und zeigen den Kindern, wie man Word und Paint nutzt, sowie wie man den Computer richtig hoch und runter fährt.

Nachmittags gehen wir entweder ins Tumaini Children Center oder zurück an die Mseto, um mit den Kindern zu malen, zu spielen oder Sport zu machen. Auch wenn mich die große Anzahl der Schüler an der Mugeza Mseto anfangs etwas überforderte, so gefielen mir die Nachmittage an der Mseto umso besser. Dann gehen die meisten Kinder nach Hause und nur die Boardingschool-Kinder und ein paar Kinder, die mit Sport machen, bleiben in der Schule. Von den Boardingschool Kindern sind fast alle körperlich eingeschränkt oder haben Albinismus (was meistens auch mit schlechtem Sehvermögen einhergeht). Während ich anfangs nicht ganz wusste, wie ich mit den Kindern und ihren Behinderungen (von denen in Deutschland viele vermutlich operativ behoben werden könnten) umgehen soll, weiß ich jetzt, dass die Angst, jemanden vor den Kopf zu stoßen, unnötig war. Jedes der Kinder macht bei den Spielen so gut mit wie es geht. Egal ob im Rollstuhl, egal ob mit oder ohne funktionierende Arme, Augen oder Beine, keiner wird wegen seiner Schwächen ausgeschlossen oder benachteiligt. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder trotz ihrer Einschränkungen nicht resignieren, sondern vor Lebensfreude und Motivation sprühen.

Ein weiteres Highlight meiner letzten Wochen verdanke ich den Jungs. Nachdem Michel seinen Schülern schon in den ersten Wochen versprochen hatte, dass er die ASC Tradition weiterführen wird und genauso wie die Jungs der letzten Jahrgänge sich die Haare abrasieren wird, musste dieses Versprechen letzte Woche in die Tat umgesetzt werden. Da geteiltes Leid ja bekanntlich halbes Leid ist, machte Benni gleich mit und so bescherten die beiden Allen (inklusive Zoë und mir) einen Riesenspaß, als sie ihre Frisuren denen der Schüler anpassten.

Nächste Woche werden wir einen einwöchigen Kiswahili-Sprachkurs besuchen, bei dem wir hoffentlich unsere Sprachkenntnisse weiter verbessern können.

Kwaheri!IMG_1240

IMG_1295

Abendsport an der Mugeza Mseto

IMG_1302

IMG_1545

Netball in der Mugeza Mseto

IMG_1906

Spontanes Fotoshooting im Garten des Tumaini Centers

IMG_2012

Computerunterricht

IMG_2015

Schulhof der Mugeza Mseto

 

P1000061

P1000066 Tischtennis an der von unseren Vorfreiwilligen gebauten Platte

P1000068

IMG_1342

Michel und Benni mit neuer Frisur

Nyumbani – Zuhause

Seit über einem Monat lebe ich jetzt in Bukoba, in der Stadt am Viktoriasee, die jeder liebt – und keiner kann so genau sagen warum. Ich denke, man muss Bukoba vermutlich selber erlebt haben, um es richtig nachvollziehen zu können. Trotzdem werde ich in diesem Blogeintrag versuchen einige Gründe aufzuzählen, aufgrund welcher ich Bukoba nach schon einem Monat in mein Herz geschlossen habe.

  1. Bukoba ist nicht zu groß und nicht zu klein. Selbst ich, und ich habe wirklich eine nicht besonders gute Orientierung, kenne mich langsam im Zentrum Bukobas aus. Dieses besteht aus ca. 4 großen Straßen, auf denen man alles bekommen kann, was man zum Leben braucht. Und selbst wenn man mal nicht weiß wo man ist, oder keine Lust hat zu laufen, so winkt man einfach eins der vielen Bodas (Motorradtaxis) heran und fährt für umgerechnet ca. 30 Cent nach Hause.
  2. Verglichen mit anderen Ost-Afrikanischen Großstädten die ich bisher gesehen habe, ist das Leben in Bukoba sehr entspannt. Wenn ich alleine durch die Straßen Bukobas laufe, über den Markt schlendere oder auf dem Rücksitz einer der vielen Bodas sitze, habe ich nicht eine Sekunde Angst um mein Handy, mein Geld oder meine Handtasche. Auch wenn man häufig ein „Mzungu“ (Kiswahili „Weißer“) hinterher gerufen bekommt, so habe ich hier noch nie Feindseligkeit gegenüber Weißen gespürt und so langsam kennt man uns an unseren Lieblingsorten: die vier Weißen mit den blauen ASC Jacken.
  3. Jeder in Bukoba ist stolz auf das Wetter hier. Teil jeder zweiten Konversation ist die Frage: „How do you like the weather in Bukoba“ und jedes Mal antworten wir „ Oh it’s so nice, not too hot and not too cold!“Aber es stimmt, das Klima hier ist sehr angenehm. Die durchschnittlich 25 Grad sind wirklich auszuhalten und vor allem dank des Windes der vom Viktoriasee über Bukoba weht, macht es uns auch gar nichts aus, dass wir immer lange Hosen tragen müssen.
  4. Die Leute hier sind sehr herzlich und hilfsbereit. Geduldig hören die Mamas am Markt unserem brüchigen Kiswahili zu (das aber schon viel besser geworden ist!!!). Das Volleyballteam mit dem wir fast jeden Abend am Strand trainieren, hat uns sofort aufgenommen und so konnten wir schon einige Kontakte knüpfen. Zoë und ich haben sogar schon bei einem Frauen Volleyballmatch mitgespielt.In unseren Lieblingsrestaurants, wo wir das beste „Wali na Nyama rosti“ (Reis mit einer Art Gulasch, nur besser) bekommen kennt man uns schon. Genauso beim Chaiman, wo wir nach Volleyball noch meistens einen scharfen und unglaublich süßen Ingwertee trinken oder in den engen Gassen zwischen den Obstständen bei denen wir für wenig Geld die besten Avocados, Ananas, Bananen und Passionfruits kaufen.
  5. Die 1000 anderen Dinge die diese Stadt ausmachen kann ich mit Worten nicht beschreiben, oder ich habe es nach einem Monat noch nicht kennengelernt. Die Gerüche,die Geräusche und das Lebensgefühl das Bukoba ausmacht muss man selber erlebt haben.

Was sonst noch geschah:

Nachdem es ein Paar Komplikationen mit der Arbeitserlaubnis gab, konnten Benjamin und ich diese Woche endlich beginnen an der Kyakairabwa primary school zu arbeiten.

In der staatlichen Grundschule gibt es die von der Kirche finanzierte Tumaini-Klasse, die hauptsächlich von den ehemaligen Straßenkindern des Tumainicenters besucht wird. Dort werden die Klassen 1 bis 4 in einem Klassenraum unterrichtet. Um 8 Uhr fahren Benni und ich mit dem Piki in die zur etwas abgelegenen Grundschule. Benjamin und ich halfen bisher vor allem bei der Korrektur von Matheaufgaben, da unser Kiswahili für die meisten anderen Sachen noch nicht ausreicht. Jeden Freitag ist Sportunterricht.

Um 13 Uhr, wenn die Schule vorbei ist, laufen wir mit allen Kindern ins Tumainicenter.

Dort vergeht die Zeit wie im Flug: Wir machen kleine Sportspiele, spielen Lego, oder nutzen die große Wiese zum Fußball-, oder Volleyballspielen, für Staffellauf oder einfach zum toben (ich habe Muskelkater in den Armen, da ich gefühlt 100 Kinder hochgehoben und durch die Luft gewirbelt habe). Am Freitag wurden wir mit einer Willkommensparty überrascht. Wir verbrachten einige wunderschöne Stunden in denen uns die Tumaini Kinder mit einigen einstudierten Liedern und Tänzen beeindruckten. Außerdem gab es ein großes Buffet mit vielen traditionellen Leckereien und sogar Limonade.

Allgemein kann ich sagen, dass mir das Tumaini Projekt unglaublich gut gefällt. Nach nur wenigen Tagen wurde ich von Erwachsenen und Kindern mit einer unglaublichen Wärme und Freundlichkeit aufgenommen, dass ich mich sofort wohl fühlte. Besonders beeindruckend ist die nicht unterzukriegende Hoffnung und Lebensfreude der Kinder, die in Ihrem Leben schon so einiges durchmachten, an dem viele andere bestimmt zerbrochen wären.

Nächste Woche werden Benjamin und ich anfangen in der Inklussionsschule Mugeza Mseto zu arbeiten. Darüber werde ich so bald wie möglich berichten.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Bukoba!

 

IMG_0349

Die Nyamkazi WG mit ihren Pikis

IMG_0327

Auf einem Fußballspiel

IMG_0386

Pilau mit Nyama Rosti bei Mama Aika

IMG_0393

Zoë und Ich retten einen verflohten Welpen der in unserem Zaun fest steckte

IMG_0427

IMG_0423

Dame spielen in Nyamkazi

IMG_0424

Volleyballtraining

IMG_0507

Damen-Volleyballteam

IMG_0501

Zoë und ich unterhalten uns mit Schülerinnen der Secondary school an der das Match statt fand

IMG_0468

IMG_0680

Zoë’s 19. Geburtstag

IMG_0780

Mathe Unterricht in der Special Class

IMG_0806

Auf dem Weg zum Tumaini Centers

IMG_0718

IMG_0819

Heimweg vom Zentrum nach Hause

Karibu Bukoba!

Mambo!

Seit fast einer Woche sind wir jetzt in Bukoba. Wir, das sind meine Mitfreiwilligen Michel, Zoë, Benjamin und Ich. Wir werden hier für ein Jahr zusammen leben und arbeiten.

Hier eine kleine Zusammenfassung unserer Reise: Am 18. August verabschiedeten wir uns am Berliner Flughafen von unseren Lieben, um mit einem Zwischenstopp in Kigali, Ruanda, weiter nach Kampala in Uganda zu fliegen. Da Bukoba relativ in der Nähe der Uganda’schen Grenze liegt, ist es günstiger von dort den Bus nach Bukoba zu nehmen, anstatt 36 Stunden von dem internationalen Flughafen in Dar es Salaam anzureisen. In Kampala angekommen, holte uns unser Projektmanager und Freund Khamis am Flughafen ab. Nach einer Nacht in Kampala fuhren wir mit dem Bus 8 Stunden über die Grenze nach Tansania und kamen um 21 Uhr erschöpft aber glücklich in Bukoba an.

Voller Freude erkundeten wir unser neues Zuhause für das nächste Jahr: unser Haus im Stadtteil Nyamkazi ist zwar einfach, aber groß, sauber und liebevoll von unseren ehemaligen Freiwilligen eingerichtet, so dass wir uns schnell zuhause fühlten.

In den ersten Tagen hatten wir die Gelegenheit Bukoba etwas kennenzulernen. Auf dem Rücksitz der zahlreichen Bodas (Motorrad-Taxis), fuhren wir zum Markt und kauften ein paar Dinge für das Haus ein. Außerdem stellte uns Khamis sein Volleyball-Team vor, mit welchem wir das nächste Jahr mit trainieren werden. Eine weitere besonders schöne Entdeckung: Das Essen hier 😀 Morgens frühstückten wir Passionfruit, Wassermelone, Papaja, Ananas und Bananen (für die Bukoba zurecht bekannt ist!) mit Chapati. Wir hatten unser erstes Chipsi Mayai (Pommes mit Ei) und unseren ersten Tangawizi Ingwer Tee beim Chai-Man.

Ohne die lokale Sprache Kiswahili, ist es noch recht schwer sich mit den Leuten zu verständigen, aber mit den paar Brocken die wir auswendig gelernt hatten und mit der Hilfe von Khamis und anderen Freiwilligen, konnten wir uns einigermaßen durchschlagen. Aber in der nächsten Woche werden wir einen Sprachkurs machen und jetzt bin ich umso mehr motiviert Kiswahili zu lernen!

Ein weiteres Highlight war bisher definitiv die Besichtigung unserer Projekte. Noch arbeiten wir zwar nicht, aber gestern konnten wir uns einen ersten Eindruck von unseren zukünftigen Arbeitsplätzen machen. Zoë und Michel werden an der Gehörlosenschule Mugeza Visiwi arbeiten. Als wir an der Schule ankamen, wurden wir von Head-Teacher begrüßt und stellten uns das erste Mal den Kindern vor. Das Besondere: in der ganzen Schule war es sehr still. Klar, die meisten gehörlosen Kinder sprechen auch nicht, aber trotzdem war es ungewohnt in eine Schule zu kommen und kein Kindergeschrei zu hören. Dafür wurde umso eifriger gebärdet. Sobald die Kinder vor uns saßen, begannen sie über unsere Gebärden-Namen zu diskutieren. Jeder von uns wird in laufe der nächsten Wochen einen eigenen Gebärden-Namen anhand unseres Aussehens oder anderer markanter Merkmale bekommen. Noch konnten sich die Schüler nicht einigen, aber ich bin gespannt, welche Gebärde ich bekommen werde!

Danach fuhren wir weiter zu Benjamins und meinen Projekten: der Mugeza Mseto School und der Tumaini school: Auch dort wurden wir herzlich begrüßt und stellten uns den Lehrern und Angestellten vor. Wo ich wann arbeiten werde, weiß ich bisher noch nicht, aber in den nächsten Wochen werden wir uns einen Time-Table erstellen.

Bisher bin ich wirklich sehr glücklich! Die Leute die ich bisher traf, waren trotz unser schlechten Sprach-Kenntnisse sehr offen und freundlich. Die Kinder sind, soweit ich mitbekommen habe, echt cool und Bukoba ist nicht zu überfüllt, aber trotzdem sehr lebendig.

Richtig los geht es aber erst in den nächsten Wochen. Neben dem Sprachkurs steht noch unser Motorrad-Führerschein an (denn wir werden mit unseren eigenen Pikis fahren) und wir werden anfangen in unseren Projekten zu arbeiten.

Freut euch auf Updates!

Kwaheri!

 

IMG_0107

Abschied in Berlin

IMG_0153

Der erste Tag in Bukoba: Am Strand vom Viktoiasee

IMG_0244

Zoë und Michel vor der Mugeza Viziwi

IMG_0256

Auf dem Rücksitz eines Pikis

Processed with VSCO with c1 preset

Erster Kumpel aus der Mugeza Mseto